Nonnen im spätmittelalterlichen Rostock

Das Kloster „Zum Heiligen Kreuz“ in Rostock wurde im Jahr 1270 von der dänischen Königin Margarethe gegründet. Sie kam von einer Wallfahrt aus Rom mit einem Splitter des heiligen Kreuzes in die Gewässer der Ostsee zurück, konnte aber wegen eines Sturms Dänemark nicht erreichen. Nachdem ein Gebet zum Kreuzessplitter die Königin vor Rostock errettete, stiftete sie zum Dank das Kloster „Zum Heiligen Kreuz“. So weiß es ein Dokument zu berichten, das im Allgemeinen als die „Stiftungsurkunde“ des Klosters bezeichnet wird. Doch sind bereits im 19. Jahrhundert von einem dänischen Historiker Zweifel gegen die Historizität des Dokumentes laut geworden. Bis in die Gegenwart sind die Gründungsbedingungen von Heiligkreuz mehrfach untersucht, aber nicht hinreichend geklärt worden. Was es mit der legendenumwobenen Stiftung auf sich hat, ist ein Teil meines Dissertationsprojektes „Nonnen im spätmittelalterlichen Rostock“.
Ziel meiner Untersuchung ist es, ein Gegenbild zu dem in der nachreformatorischen Zeit kolportierten Vorwurf des ständisch exklusiven Versorgungsinstituts zu skizzieren. Deshalb stehen die Methoden der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, ergänzt um kulturhistorische Fragestellungen, im Vordergrund.
Einen ersten Schwerpunkt stellen die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters und ihre Wandlungen dar. Ein gemeinsames Moment bleiben dabei über den gesamten Bestehenszeitraum die Hinweise auf memoriale Handlungen, die Verbindungen über die bloße Geschäftstätigkeit hinaus aufzeigen. Daraus ergibt sich ein soziales Netz, das zum einen geographisch einen Raum aufspannt, der die Wirkweite des Klosters verdeutlicht, und zum anderen über einen bestimmten Zeitraum Kontinuitäten in einzelnen Familien erkennen lässt, die wiederum dessen Wirktiefe verdeutlichen. Neben den Schriftquellen mit memorialem Hintergrund, sind es vor allem Sachquellen, die diesen Befund sinnvoll ergänzen können. Das Kloster „Zum Heiligen Kreuz“ in Rostock bietet eine starke Überlieferung an Grabplatten und Kunstgegenständen aus der mittelalterlichen Zeit, von der besonders die selten große Anzahl von erhaltenen Nonnengrabplatten hervorzuheben ist.
Einen weiteren Punkt stellen die kommunikativen Schnittstellen des Klosters dar. Hier sind neben personellen wie dem Propst des Klosters, Familienangehörigen der Nonnen und Besuchern von anderen Klöstern auch gegenständliche Schnittstellen wie Urkunden und Kunstgegenstände von Interesse. Der Kommunikationsaspekt stellt das Kloster auch in den Kontext von Orden und Obrigkeit. Welchen Stand das Kloster „Zum Heiligen Kreuz“ zwischen rätlich-weltlicher und bischöflich-geistlicher Obrigkeit hat und wie seine Verbindungen zum Orden abseits der (Nicht-)Inkorporation gestaltet sind, ist daher ein wichtiger Untersuchungsgegenstand.
Schließlich soll die bereits erwähnte Gründungsgeschichte des Klosters abschließend bearbeitet werden, die sich aber wegen der Unzulänglichkeiten des Materials nicht als Ausgangspunkt dieser im Kern wirtschafts- und sozialhistorischen Untersuchung eignet, sondern als eigener Aspekt unter besonderer Berücksichtigung kultur- und mentalitätsgeschichtlicher sowie hilfwissenschaftlicher Methoden hinzugenommen wird.
Das Ergebnis wird keine klassische Klostermonographie sein, sondern eine mit Weitblick gestaltete, aspekthafte Untersuchung, in deren Zentrum die Anforderungen der sozialen Umwelt an das Kloster, die Erfüllung dieser und der Austausch zwischen den beiden Sphären stehen.

 
 
 
 
 

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